Bau und Spiel auf selbstgemachten Instrumenten

 

 

 

 

 

 

Autorin: Petra Kornas, Musikkoordinatorin

 

Praxisbaustein

Bau und Spiel auf selbstgemachten Instrumenten

 

Kurzbeschreibung

Ganz behutsam und gefühlvoll bringt Dennis die Kügelchen in der Ocean-Drum ins Rollen. Augen zu. Wie Meeresrauschen, erst leise, und dann immer stärker werdend türmen sich die Wellen hoch, bevor sie in der Brandung brechen.  Ein paar Mal lässt Dennis die Kugeln kreisen, bevor die Musiklehrerin bis 8 zählend den Rhythmus aufbaut und alle 125 Schülerinnen und Schüler wieder den Refrain des Liedes „Hört euch die Instrumente an“ anstimmen.

Kurz nach den Osterferien veranstaltete die Blumläger Schule ein Instrumentenforum, an dem alle Klassen und das gesamte Kollegium teilnahmen. Dazu hatte die Musikalische Grundschule mehrere Wochen vorher an einem Vormittag eine große Anzahl von Musikinstrumenten selbst hergestellt. In den folgenden Wochen übten die Klassen mit ihren Klassenlehrerinnen einen musikalischen Beitrag ein, den sie dann der gesamten Schule vorführte. Die Monatslieder vom Mai „Hört euch die Instrumente an“ und vom April „Alle Vögel sind schon da“ umrahmten die Veranstaltung, auf der alle Instrumente auf vielfältige Weise präsentiert wurden. So wurden nicht nur Lieder und Musikstücke auf den selbstgemachten Instrumenten begleitet, sondern auch Gedichte und Geschichten verklanglicht. Damit die Schülerinnen und Schüler auch in Zukunft die Instrumente ausprobieren können, wurden die Instrumente in Kisten gepackt, die nun jeder Klasse zur Verfügung stehen.

 

Ergebnisse und Wirkung

Durch den Instrumentenbau und dem –forum wird der Leitfaden des Projekts „Musikalische Grundschule“ umgesetzt. Mehr Musik wird von mehr Beteiligten in mehr Fächern zu mehr Gelegenheiten vermittelt. Es ist ein Gesamtprojekt der ganzen Schule und stärkt das Gemeinschaftsgefühl.

Nicht die traditionelle Instrumentenkunde mit theoretischen Informationen ist Schwerpunkt des Projektes. Durch das eigene Bauen sollen die Schüler selbst zu instrumentenkundlichen Fragen angeregt werden. So kann auch in Zukunft z. B. untersucht werden, welche verschiedenen Spielweisen, die selbstgebauten Instrumente zulassen und wie sich diese in unterschiedlicher Weise auf den Klang auswirken. Die Schüler machen unmittelbare sinnliche Erfahrungen, indem sie durch Tasten und Bewegung die klanglichen Möglichkeiten von Umweltmaterial ausloten. An klingenden Materialien und im gemeinsamen Spiel der Instrumente wird aufmerksames und konzentriertes Hören geschult. Die Förderung der musikalischen Fantasie wird durch Selbsttätigkeit beim Instrumentenbau und beim Entwickeln von Spielstücken gefördert. Zudem lernen Schüler Spielregeln für musikalische Spielabläufe zu akzeptieren und einzuhalten. Das soziale Miteinander wird somit gefördert.

Im Unterricht werden die Instrumente sowohl fachbezogen als auch fächerunabhängig eingesetzt. Auch die im Rahmen des Projekts „Musikalische Grundschule“ eingeführten „Monatslieder“ können mit den Instrumenten begleitet werden.

 

Umsetzung in der Praxis / Prozessgestaltung / Organisation

Was macht eine Schule, die zwar einen gut mit Instrumenten ausgestatteten Musikraum hat, den sie aber nur eingeschränkt nutzen kann? Denn nicht nur die Grundschüler erhalten in diesem Raum Musikunterricht, sondern auch die Schüler der 5. und 6. Klassen einer Oberschule, die sich mit der Blumläger Schule das Gebäude und einige Fachräume teilen. So ist der Musikraum jeden Tag in der Woche von der ersten bis teilweise der 9. Stunde allein durch den regulären Musikunterricht belegt. Wenn nun motivierte Kolleginnen der Grundschule außerhalb des Musikunterrichts Instrumente benötigen, um z. B. ein „Musikalisches Häppchen“ oder ein „Monatslied“ mal eben auf Instrumenten begleiten zu lassen, ist das mit einem erhöhten Aufwand verbunden. Natürlich kann man mit den Schülern durch das ganze Gebäude wandern und die Instrumente in Absprache mit dem unterrichtenden Kollegen im Musikraum abholen. Dies bedeutet nicht nur einen Verlust wertvoller Unterrichtszeit, wenn das ein oder andere Instrument über drei Stockwerke getragen werden muss, sondern auch Störungspotenzial für andere Klassen und erhöhter Instrumentenverschleiß.

So wurde auf einer Dienstbesprechung zur Musikalischen Grundschule neben einer Bestandsaufnahme auch der Wunsch laut, mit den Schülern Instrumente zu bauen und diese auf einem Forum vorzustellen.

Da nicht alle Kolleginnen auf eine musikalische Ausbildung zurückgreifen können, wurde von der Musikkoordinatorin ein Ordner angelegt. Nicht nur umfangreiche Ideen zum Selberbauen von Instrumenten sind hier zu finden, sondern auch unzählige Anregungen für den Unterrichtseinsatz, wie Liedbegleitungen, rhythmische Übungen sowie Gedichte und Geschichten zum Verklanglichen.

Das Basteln der Instrumente wurde an einem Schulvormittag (1. – 4. Stunde) durchgeführt. Geplant und organisiert von den Klassenlehrerinnen und unterstützt von den Fachlehrerinnen bastelte jeder Schüler einer Klasse ein bis zwei unterschiedliche Instrumente.

 

Anschließend folgte das praktische Einüben verschiedenster Übungen mit den Kolleginnen auf einer Dienstversammlung. Wertvolle didaktische – methodische Tipps steuerten alle Musiklehrerinnen bei.

Im Anschluss wurden die Instrumente auf neun Kisten gerecht verteilt, so dass nun allen 8 Grundschulklassen und auch dem Ganztag die Instrumente jederzeit zur Verfügung stehen. Der Wunsch eines Inhaltsverzeichnisses im Deckel der Kiste wurde bildnerisch von einer Kollegin umgesetzt.

In der Folgezeit übten vor allem die Klassenlehrerinnen - z. T. unterstützt durch die Musiklehrerinnen - mit ihren Schülern einen Beitrag für das anstehende Instrumentenforum ein.  Zudem wurde das Monatslied Mai „Hört euch die Instrumente an“ mit den Schülern einstudiert und auf den Instrumenten begleitet.

An der Umsetzung des Projektes „Instrumentenbau und Instrumentenforum“ waren alle Kolleginnen beteiligt.

Damit die Instrumente auch in Zukunft von Nicht-Musiklehrerinnen im Unterricht zum Einsatz kommen, werden die Kolleginnen auf den Dienstbesprechungen mit weiteren „Musikalischen Häppchen“ versorgt. Der schon angelegte Instrumentenordner wird so nach und nach erweitert.

 

Empfehlungen für andere Schulen

Allen Lehrkräften sollte klar sein, dass das Projekt mit dem Bau der Instrumente nicht endet. Immer wieder muss in Zukunft nach Möglichkeiten gesucht werden, die Instrumente oft einzusetzen. So können z. B. im Anfangsunterricht die Instrumente zum Erkennen von Wortsilben eingesetzt werden. Im Mathematikunterricht eignen sich Instrumente in besonderer Weise dafür, das Stellenwertsystem (Einer, Zehner, Hunderter) zu verklanglichen. Auch bei der Auswahl der „Monatslieder“ sollte nach Möglichkeiten gesucht werden, diese auf Instrumenten zu begleiten.  Hierbei sollte darauf geachtet werden, dass auch fachfremde Kollegen ohne große Mühe mitmachen können. Das Singen der Lieder und das Spielen einfacher Rhythmen sollte regelmäßig mit dem Kollegium geübt werden. Wichtig ist auch, dass Instrumente gebaut werden, die möglichst stabil und damit langlebig sind.

 

Materialien / Sachmittel / Finanzen

Von den 8 Klassen unserer Schule und 2 Stammgruppen des Ganztags wurden folgende Instrumente gebastelt:

Instrumente

Benötigte Materialien

Ocean-Drums

Pizza-Kartons, Regenbogenpapier, Acrylfarben, Erbsen …

Eier-Rasseln

Filmdosen, Erbsen, Reis, Linsen …, Zeitungspapier, Kleister,

Wasserfarbe

Flaschen-Rasseln

0,5 l Plastikflaschen, Erbsen, Linsen, …, Klebeband

Blechtrommeln

Keksdosen aus Blech mit Deckel, Sprayfarben

Tontopftrommeln

Blumentöpfe in unterschiedlichen Größen, Pergamentpapier,

Kleister, Acrylfarbe

Glöckchen

Kleine Blumentöpfe aus Ton, Acrylfarbe, Bindfaden oder Draht, Glöckchen, Holzkugel

Klangstäbe

Besenstiele

Guiro

Holzreste

Klangmurmelspiele

Holzplatten (20 x 20 cm), Filzstifte, Nägel

Schlauchtrompeten

Schläuche, Trichter, Krepppapier

Regenmacher

Pappröhren, Nägel, Reis, Erbsen, Linsen, Bohnen …., Buntpapier

Schellenkränze

Pappteller, Kronkorken, Kordel, Wasserfarbe

Kastagnetten

Walnüsse, Tonkartonstreifen, Wachsmalstifte

Gitarren

50 cm lange Holzlatten, Streichhölzer, Streichholzschachteln, Angelschnur, Ringschraube

 

Viele weitere Vorschläge für den Instrumentenbau findet man im Internet. Literatur muss hierzu nicht angeschafft werden. Früh genug sollte man mit dem Sammeln der benötigten Materialien beginnen und auch bei den Schülern und Eltern nachfragen, so dass die Ausgaben überschaubar bleiben (ca. 150 Euro bei uns). Hinzu kommen noch die Instrumentenkisten mit Deckel, die ca. 6 Euro pro Stück kosten. (Ikea)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

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